Aequilibritas

Das Geschichtenerzählen ist keine Wissenschaft…

Der messbare Zustand der Troposphäre war ein Postkondensationsprozess mit einer durchschnittlichen H2O-Tropfengröße von 1,25 mm. Die Temperatur der in Deutschland liegenden, gesamtdeutschen, vom Land Brandenburg umschlossenen Hauptstadt Berlin mit einer Gesamtzahl von ca. 3.240.000 Einwohnern betrug 5° Celsius, 278 Kelvin, 41° Fahrenheit. Die 23-jährige, ledige und weibliche Anwaltsgehilfin Manuela fuhr in ihrem 1998-er Ford Focus, welcher mit einem materiellen Produkt, das den Sinneseindruck des Farbreizes Grün erzeugte, bestrichen war, auf der elf Kilometer langen Berliner Straße „Landsberger Allee“ im zehnten Verwaltungsbezirk von Berlin, „Marzahn-Hellersdorf“, zu ihrem 25-jährigen, ledigen, männlichen ihr in einer Liebesbeziehung sehr nahestehenden Partner, dem Rechtswissenschaftsstudenten Mark. Sie war nach der kürzesten Entfernung zwischen ihrem Aufenthaltspunkt und dem Zielpunkt über den direkten Luftweg durch eine Strecke gesehen genau 645,5 Meter von seiner Wohnung entfernt, bis zur nächsten Parkmöglichkeit in Form einer Anlage des ruhenden Verkehrs und Abstellfläche für Kraftfahrzeuge musste sie noch 920,25 Meter fahren. Sie kam vor einer Wechsellichtzeichenverkehrsanlage mit rot leuchtendem Signal zum Stehen. Sie nutzte die Zeit zwischen dem Halten im straßenverkehrsrechtlichen Sinne und dem Leuchten des grünen Signals der Wechsellichtzeichenverkehrsanlage, indem sie die Sonnenblende auf der Fahrerseite herunterklappte und sich mit Hilfe des dort angebrachten Lichtstrahlen- und Umgebungsreflektors ein Kosmetikutensil zum Färben der Lippen, welches aus einem materiellen Produkt, das den Sinneseindruck des Farbreizes Rot erzeugte, bestand, auftrug.

…,aber auch kein Kinderspiel.

Auf einmal hinter ihr machts BUMM. Sie tut luck luck machen nach hinten. Auto da mit großem Beng auf Stange gefahren. Manuela ist gleich raus aus Auto und ging zum anderen Auto da. Beim Auto auf einmal sie erschreckte hui hui, als sie Fahrer sah. Der Junge da alter Freund aus Schule damals. Sein Name Marius. Manuela und Marius sich damals lieb gehabt. Ersten Knutschi gehabt. Kopf lag auf Kissen auf Lenkrad. Manuela anfässt und zieht Jungen aus Auto, alles sehr schwer. Junge Augen zu und macht haia haia. Wasser platscht und platscht immer noch. Alles nass. Menschen in Nähe gucken und machen uuuhhhh und oooohhh.

Geschichtenerzählen sollte keine Ausschmückung von Bagatellen sein…

Das Herz schlug Manuela bis zum Hals, sie hatte Angst um Marius. Doch als sie ihren ehemaligen Freund in die stabile Seitenlage brachte, geschah es plötzlich: Ein Kieselstein auf dem Boden bohrte sich mit mörderischer Wut in ihre Kniescheibe. Ein paralysierender, stechender, alles verschlingender Schmerz überkam Manuela, als würden alle vier apokalyptischen Reiter mit unvorstellbarer Gewalt gleichzeitig auf ihr Knie einwirken. Es war, als würde sie fünf Geburten zur gleichen Zeit bekommen. Nur eine Amputation könnte, so dachte sie, die körperlichen, seelischen und moralischen Qualen mildern, die der Kieselstein ihr antat und die sie in dieser Form nie für möglich gehalten hatte. Sie wollte schreien, doch sie brachte keinen Laut hervor. Ihr Herz setzte beinahe aus, ihr Körper verlor jegliche Funktionen. Innerlich jedoch schrie sie wie am Spieß, sie wollte nichts sehnlicher, als dass das Armageddon endlich ein Ende hatte. Die kleinste Bewegung ihres Beins löste eine Verdreifachung ihrer Leiden aus, das bloße Denken an den Kieselstein brachte sie in einen trance-ähnlichen Zustand. Raum und Zeit hatten ihre Bedeutung verloren, Manuela wurde übel und sie verlor jeglichen Gleichgewichtssinn. Sie dachte immer, das Böse gäbe es nicht, doch dieser Kieselstein war ohne Zweifel aus einer fremden, uns unbekannten, Welt und er hatte nur ein Ziel: Die Vernichtung des kompletten Universums! In diesem Moment wollte sie einfach nur noch sterben. Sie sah nur noch eine Chance, dem Tod von der Schippe zu springen und sich selbst sowie auch alle anderen Bewohner der Landsberger Allee UND der ganzen Welt zu retten: Sie musste die Zähne zusammenbeißen und ihn loswerden. Mit letzter Kraft versuchte sie, sich den bösen Kieselstein von ihrem Knie abzustreifen. Entweder würde sie es schaffen oder er würde sie überlisten. Die Stadt war nicht groß genug für beide. Sie hob das Knie etwas an und wischte sich mit der rechten Hand an der Kniescheibe entlang. Sie hatte es geschafft, der Kieselstein ergab sich und flog besiegt und gedemütigt auf den Boden der Realität. Die Welt war wieder sicher. Doch plötzlich geschah das nächste Unglück: Ein Regentropfen aus der Luft bohrte sich mit mörderischer Wut…

…, aber auch kein ignorantes Aufzählen von Begebenheiten.

Marius überlebte, und kam wieder mit Manuela zusammen. Mark akzeptierte das. Manuela und Marius hatten nach 40 Jahren Ehe 3 Kinder und 2 Enkelkinder, danach ließen sie sich scheiden. Marius starb mit 67 Jahren, Manuela zwei Jahre später. ENDE

Letztendlich ist es aber eigentlich egal, ob man das richtige Gleichgewicht findet oder nicht. Hauptsache man hat Spaß am Schreiben und der Leser Spaß beim Lesen.

23.4.09 13:56

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Kuni (19.10.09 17:58)
ich ziehe wie immer - und das is keineswegs übertrieben - und das war keine ironie - und das auch nicht - und das auch nicht...na egal, jedenfalls ziehe ich mal wieder vor dir den hut...vor dir is in diesem sinne im übertragenen sinne gemeint gewesen, aber das verstehst du ja...ein geiler text!