Spannung am Limit

Ist es möglich, Spannung zu erzeugen, wenn einem nur 300 Wörter zur Verfügung stehen? Entscheidet selbst:

„… tick, tack, tick, tack. 0:47. Es waren nur noch ein paar Meter. Neill rannte schneller als je zuvor in seinem Leben. Seine Familie war in Gefahr. Sie hatten es auf ihn abgesehen. Wesen, die nicht von dieser Welt waren. Blutsaugende Teufel, die sich im Dunkel der Nacht bewegten. Neill wusste weder, woher sie kamen noch was sie von ihm wollten. Er blieb atemlos stehen und schaute sich um. Ein leichter Nebel umhüllte die Stadt. Die Straßen waren wie leer gefegt. Das Einzige, was man vernehmen konnte, war das Fauchen der Monster, die ihn verfolgten. Als die Töne wieder lauter wurden, hastete Neill weiter. Er musste seine Familie retten. 0:32. Er kam bei seinem Haus an. Die Tür war offen und man sah große Kratzer auf der Türklinke. Neill schritt panisch hinein. Noch immer außer Atem. Die Wände im Inneren waren mit Blut beschmiert. „NEILL“ stand drauf. Etwas Schlimmeres hatte er noch nie gesehen. Wo waren seine Frau und sein Kind? 0:25. Eine Spur von Kleiderfetzen führte in den zweiten Stock. Neill folgte ihr. 0:19. Als er oben ankam ließ ihn ein fürchterliches Kreischen aufschrecken. Eines der Wesen war im Haus und lief direkt auf ihn zu. Neill stürzte sich mit letzter Kraft in sein Arbeitszimmer und schloss hinter sich ab. 0:14. Das offene Fenster im Zimmer ließ die Papiere auf seinem Schreibtisch wild herum flattern. Er wünschte, er hätte sich nie auf dieses Forschungsprojekt eingelassen. Neill trat in die Mitte des Raumes und starrte auf die Tür, die sich jeden Moment zu öffnen drohte. 0:10. Wo war seine Familie? Plötzlich zersprangen die Fensterscheiben in seinem Zimmer mit einem lauten Knall. Neill wurde zu Boden geschleudert. Aus allen Wänden stießen Klauen ins Zimmer. 0:05. Neills Blick fiel auf seine Digitaluhr, deren Ziffern im Sekundentakt herunter liefen. 0:04. 0:03. Man hörte Kinderschreie aus dem Zimmer nebenan. 0:02. 0.01. 0:00. Neill wurde von irgendwas..."


Oh, das war es leider auch schon. 300 Wörter. (Die Ziffern wurden nicht mitgezählt.) War nicht spannend, oder?

23.11.08 00:21

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Dirk (28.11.08 21:48)
Oh doch, das war spannend. ich hab zwar ne Weile gebraucht um zu kapieren, dass die 0:47 etc. die runterzählenden Sekunden sind, aber sonst war alles nicht verwirrend, sondern nur spannend. Vielleicht ja sogar etwas zu sehr... Stell dir vor man würde nen 400 Seiten-Roman mit soviel Handlung lesen wollen... Da würde man vermutlich einfach einen zu viel kriegen. Aber du hast das ja sicher nur für die 300 Wörter vorgesehen, also hab ich keine Kritik.
Deine Texte sind toll, weiter so!